Harry's in de pers

Rheinzeitung, 22. Februar 2003

Önologisch-kulinarische Events der besonderen Art

Harry's Vinothek: Wo belgische Küchenkunst und Rheingauer Weinexpertise in der Liebe zum Mosel-Riesling kulminieren

TRABEN-TRARBACH. Es ist unlängst als kleines Restaurant gestartet: „Harry's Vinothek und Restaurant“ im historischen Trarbacher Ortskern. Klein – mit kaum mehr als 30 Sitzplätzen – wird es vermutlich bleiben. Großes freilich haben seine beiden Betreiber vor: Ein „Wein-Kompetenzzentrum“ für Winzer, Gastronome und vor allem Weinliebhaber soll sich hier etablieren.

So versteckt es im altimposanten Bruchsteingemäuer in der Augustastraße liegt, so ambitioniert sind also Ziele, vor allem aber Keller und Küche von Silvia Diemer und Namensgeber Harry De Schepper. Die in Wiesbaden immer noch teilzeitpraktizierende Rechtsanwältin ist als gebürtige Ingelheimerin dem (Rot-) Wein von Kindesbeinen an verbunden. Und machte diese Verbindung auch zum Beruf. Sieben Jahre lang war sie Geschäftsführerin des Weinbauverbandes Rheingau, bis sie Harry De Schepper kennen lernte. Wobei natürlich der Wein die Liaison förderte. Gilt Harry im ehemals heimatlichen Belgien doch als der Weinjournalist schlechthin, unter anderem mit eigener Fernsehsendung.

Die gemeinsame Liebe zum Riesling war´s, die sie jetzt an die Mosel führte. Und das Wagnis eingehen ließ, hier aus dem Nichts eine erste Adresse für Weinfreunde zu schaffen – mit solch einer herausragenden Küche. Denn Harry De Schepper ist vor allem auch gelernter Koch, war unter anderem lange Jahre in der Ausbildung des belgischen Kochnachwuchses tätig. Eine exquisite Küche und der begleitende Wein gehören für ihn zusammen. Einige Semester Studium der Önologie in Bordeaux verhalfen ihm neben vielen Exkursionen rund um den Globus in Sachen Wein dazu, diesem Anspruch gerecht zu werden. Dass das Paar diesen just an der Mosel umsetzen will, die Liaison Brüssel-Wiesbaden nun in Traben-Trarbach kulinarisch-önologisch kulminiert, darf das Anbaugebiet mit stiller Genugtuung zur Kenntnis nehmen: Es muss was dran sein an der weltweiten Image-Renaissance des Mosel-Rieslings.

„Wir möchten den Menschen, die dieses Gebiet prägen gerecht werden“, meint Silvia Diemer. Dazu gehören für sie die Winzer allgemein, auch hervorragende Tropfen der Moselland eG finden sich im Angebot, ergänzt durch einige Highlights aus anderen Anbaugebieten. Mit Weinevents im kleinen, aber feinen Stil will sie für den Moselriesling arbeiten, in Kooperation mit interessierten Gütern, mit den Verbänden „Mosel meets Franken oder Frankreich …“ – sie ist sich sicher, dass der heimische Riesling jedem Vergleich gewachsen ist.

Und das gilt auch für Harry De Scheppers Küche, natürlich belgisch, wenngleich französisch inspiriert. Aber eben eine Spur deftiger. Seine Mille-feuille von Gänseleber und Parmaschinken begleitet von Zwiebelkonfitüre in Portwein, oder sein Rinderfilet im getrüffelten Austernpilzmantel mit Chicorées nach Brüssler Art, beides zur Eröffnung serviert – auch für einen verwöhnten Gästekreis von Gebietsweinkönigin Kristina über Staatssekretär Harald Glahn bis hin zu den Weinbaupräsidenten Adolf Schmitt (MSR), Richard Nägler (Rheingau), Arthur Gesthüsen vom Kellereiverband eine kulinarische Offenbarung. Denn bei aller Liebe zur Mosel, in einem bleibt Harry De Schepper Belgier: Die Schokolade etwa fürs menüabschließende Duo von Mousses aux chocolates belges hatte er beim Einkauf schlichtweg vergessen. Er besorgte sie sich am Eröffnungsmorgen, auch wenn er eigens dafür mit dem Auto von der Mosel ins Heimatland düsen musste.

Seine Philosophie, die er nach dem Diner den Gästen charmant-zurückhaltend kundtat? „Das (Er-)finden eines neuen Gerichtes ist für die Menschheit viel wichtiger als die Entdeckung eines neuen Sterns am Firmament.“ Wer in Traben-Trarbach auf Entdeckungsreise geht, könnte gleichwohl einen neuen Fixstern am Gastronomiehimmel ausmachen. Franz Erpeldinger


Klein, aber fein: Harrys Vinothek und Restaurant. Mit den Betreibern Silvia Diemer und Harry De Schepper (mitte) freuten sich über die Eröffnung (von links) Arthur Gesthüsen (Kellereiverband), Staatssekretär Harald Glahn, Weinbaupräsident Rheingau Richard Nägler sowie (von rechts) MSR-Weinbaupräsident Adolf Schmitt und Gebietsweinkönigin Kristina Simon.

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